Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung zum 3. Lehrgang der Naturschutzberater*innen-Ausbildung Anfang Oktober 2025 folgte im Modul „Klimaschutz – Funktion des Bodens“ eine Online-Veranstaltung zum Thema Regenwürmer und Bodenschutz mit Dr. Stefanie Krück. Die erfahrene Forscherin und Regenwurmexpertin von der Humboldt Universität zu Berlin gab den Teilnehmenden einen Einblick in den komplexen Kosmos der Bodenorganismen und deren Bedeutung für eine funktionsfähige Landwirtschaft. Eine nachhaltige landwirtschaftliche Praxis versteht den Boden als unbedingt zu schützendem Lebensraum, um ihn auf Dauer bewirtschaften zu können und seine Fruchtbarkeit zu erhalten. Dabei ist der Boden der vielfältigste Lebensraum auf der Erde und enthält die vielfältigste Zusammensetzung lebender Organismen (vgl. Emmerling 2000).
Neben Bakterien, Pilzen, Algen, Springschwänzen, Spinnen, Asseln uvm. gehören die Regenwürmer zu den auffälligeren Bodenlebewesen, an dessen Vorkommen man die Bodengesundheit und Produktivität von Landwirtschaftsflächen ableiten kann. Eine hohe Anzahl von Regenwürmern verweist auf einen hohen Humusgehalt sowie eine hohe Anzahl von Mikroorganismen, von denen sich die Würmer ernähren. Die horizontal und vertikal verlaufenden Gänge der Regenwürmer lockern den Boden auf, verbessern die Wasseraufnahmefähigkeit und bieten weiteren Bodenlebewesen Lebensräume. Allerdings stehen die Populationen vor natürlichen und anthropogenen Herausforderungen. Trockenheit und Hitzestress können zur drastischen Reduktion der Regenwurmpopulationen führen (Ehrmann 2012, Walter et al. 2017) und auch die landwirtschaftliche Praxis hat in Form von starker Bodenbearbeitung und eintönigen Fruchtfolgen erheblichen Einfluss auf ihren Bestand.
Diese Faktoren sind für die landwirtschaftliche Naturschutzberatung zentral, um das Ökosystem Boden im Sinne des Naturschutzes und der Wirtschaftlichkeit der Landwirtschaftsbetriebe zu schützen. All dieses Wissen vermittelte Frau Dr. Stefanie Krück in ihrem informativen und äußerst interessanten Vortrag. Vielen Dank an dieser Stelle an die Referentin! Bei der an den Vortrag anschließenden Diskussion gab es viele ergänzende Fragen zum Leben der Regenwürmer, und alle merkten, dass das komplexe Thema nur angekratzt werden konnte. Trotzdem waren die Ableitungen für die Beratungspraxis offensichtlich: schonende Bodenbearbeitung, vielfältige Fruchtfolgen und organische Düngung sorgen für Bodengesundheit und Resilienz im Angesicht sich verändernder Klima- und Wetterveränderungen. Und da der Boden auch einen riesigen CO2-Speicher darstellt, ist Bodenschutz auch zugleich Klimaschutz!
Wie beraten wir eigentlich?
Die Beratungsschwerpunkte inhaltlich zu durchdringen ist die eine Sache, doch wie stellt sich die Beratungspraxis im Austausch mit Landwirt*innen dar, die sich in vielschichtigen Betriebs- und Marktdynamiken befinden? Um diesem Thema den nötigen Raum zu geben, trafen sich die Teilnehmenden zum dritten Weiterbildungstermin Anfang Dezember 2025 über zwei Tage erneut im Kloster Stift zum Heiligengrabe und absolvierten ein von der Andreas Hermes Akademie durchgeführtes „Training zur Stärkung der Beratungskompetenzen“.
Ziel des Trainings war es, eine Basis für das Rollenverständnis als Berater*in und für Selbst- und Menschenkenntnis zu legen. Darauf aufbauend wurde eine professionelle Vorbereitung und Durchführung von Beratungsgesprächen erarbeitet. In den unterschiedlichsten interaktiven Formaten vermittelte der erfahrene Trainer Wolfgang Kubutsch die Grundlagen zur erfolgreichen Kommunikation, die Wege zum wirkungsvollen Einsatz der eigenen Person und effektive Konzepte in der Beratung. Denn eine Beratung sollte nie nur einen idealistischen Selbstzweck erfüllen, sondern – falls möglich – nachhaltige und tragfähige Veränderungsprozesse initiieren und begleiten. Als Berater*innen tragen wir die Verantwortung sorgfältig und gewissenhaft unsere Anliegen in Sachen Naturschutz zu kommunizieren und dabei die spezifischen Betriebs- und Standortmerkmale zu berücksichtigen – wir verkaufen keine Produkte um jeden Preis.
Nach zwei intensiven Tagen waren die Teilnehmenden um einige Selbsterfahrungen und praktische Beratungstechniken reicher und reisten mit einem CECRA-Zertifikat wieder nachhause. Vielen Dank an Wolfgang Kubutsch und die Andreas Hermes Akademie für eine erneut erfolgreiche und lehrreiche Zusammenarbeit, deren Inhalte in den kommenden Themenschwerpunkten ab sofort aktiv mitgedacht werden können, um zukünftige Beratungen für alle Seiten so produktiv wie möglich zu gestalten!