Veranstaltungsbericht Netzwerk Naturschutzberatung
Wenn man die B5 von Kyritz Richtung Perleberg fährt, fallen zur linken Hand große Pappelreihen auf, die auf Acker- und Grünlandflächen stehen. Am 27. August 2026 verbrachten die Auszubildenden der Naturschutzberatungsausbildung einen ganzen Tag auf dem Betrieb von Reiner Guhl in Düpow, der vor 6 Jahren als Pionier in der Region das Flächennutzungssystem Agroforst auf seinen Agrarflächen etablierte. An diesem sehr stürmischen und heißen Spätsommertag wiegen die Pappeln im Wind und schützen die letzten Wasserreserven der Ackerkulturen vor dem Verdunsten. In seinem Vortrag erzählt uns Guhl, wie er genau vor 7 Jahren im zweiten Dürresommer hintereinander über seinen Acker fuhr, auf dem er gerade 90ha Raps verloren hatte. Zur selben Zeit hört er zufällig im Radio einen Bericht von der BTU Cottbus, in dem es über die Erosionsminderung durch Agroforstsysteme in der Landschaft ging. Daraufhin beschloss er auf seinen Eigentumsflächen das System zu erproben, ein Jahr später überzeugte er die Verpächter für eine weitere Fläche. Mittlerweile gilt er als erfahrener Praktiker und ist für Leon Bessert vom DEFAF e.V. (Deutscher Fachverband für Agroforstwirtschaft) ein wichtiger Praxispartner, wenn es darum geht, die Systeme in der Praxis zu beobachten und weiterzuentwickeln.
Nachdem Reiner Guhl von seinen Erfahrungen berichtet hat, konnte Leon Bessert einen Einblick in die Förderrichtlinien und Potentiale für unterschiedliche Agroforstsysteme in Brandenburg geben. Als Interessenvertretung setzt sich der DEFAF dafür ein, Agroforst als praktikables und zukunftsfähiges Nutzungssystem in der Landwirtschaft zu etablieren und die Politik davon zu überzeugen, dass sinnvolle Förderungen dabei unbedingt notwendig sind. Denn die Anlage eines Agroforstsystems ist nicht niedrigschwellig, es bedarf Investitionen und genauer und abgepasster Planung, damit sich die Systeme wirtschaftlich tragen. Die Bandbreite der Möglichkeiten ist dabei quasi grenzenlos, von großflächigen Pappelstreifen für die Produktion von Hackschnitzeln oder Wertholz bis hin zu kleinteiligen und divers strutkturierten Obstbaumstreifen. Die Pappelstreifen sind für viele ein erster Einstieg, um zu sehen und zu zeigen, dass es möglich ist. Nach ein paar Jahren entschied Reiner Guhl sich dazu am Rand der Pappelstreifen Blühstreifen anzulegen, um den ökologischen Nutzen des Systems zu erhöhen. Jetzt finden Vögel und andere Kleintiere, sowie Insekten Nahrung und Schutz auf einem vorherigen eintönigen Acker. Als die Auszubildenden von Reiner Guhl mit dem Kremser auf die Flächen gefahren werden staubt der Sand in die Luft. Doch vor einigen Jahren wäre dieser Effekt noch viel größer gewesen, denn die Pappelstreifen sind innerhalb der letzten Jahre auf bis zu 7 Meter in die Höhe geschossen und brechen den Wind. In diesem Winter sollen sie das erste Mal geerntet werden. Für Reiner Guhl und alle die an Agroforst interessiert sind eine weitere wichtige Erfahrung. Für die Auszubildenden füllte der Einblick in diese komplexen Systeme den letzten Schulungstag der Ausbildung. Jetzt bleibt noch die Prüfung am 1.10., in dem es den Auszubildenden überlassen wird, in ihrer geplanten Naturschutzberatung das Thema Agroforst zu Handlungsempfehlung zu integrieren!